Zum Inhalt springen

1,4 Millionen fehlende Wohnungen — und der Bundestag debattiert jeden Regler außer dem einen Wort

1,4 Millionen fehlende Wohnungen — und der Bundestag debattiert jeden Regler außer dem einen Wort
Veröffentlicht:

Gegen Ende von Thrones of the Invisible (Throne des Unsichtbaren) versuche ich, die Welt zu beschreiben, die ich mir wirklich wünsche, und ich stelle fest, dass sie sich nicht allein aus Idealen errichten lässt. Ich schreibe dort, dass innerer Fortschritt — das Wachstum an Weisheit, Geduld, Mut und der Fähigkeit zu lieben — sich nur auf einem bestimmten Boden entfalten kann. Diesen Boden nenne ich äußeres Gleichgewicht, und ich benenne seine Bestandteile ganz nüchtern: genug Nahrung, Obdach, Fürsorge, Ruhe, Bildung, Würde und Teilhabe. Ohne sie, so argumentiere ich, wird das Reden vom Aufblühen zu „einem grausamen Scherz, den man den Überlasteten erzählt“. Deshalb kehrt das Buch immer wieder zu einer einzigen unvollendeten Idee aus dem Jahr 1944 zurück: Franklin Roosevelts zweiter Bill of Rights und ihrem stillen Beharren darauf, dass Freiheit das Recht auf ein menschenwürdiges Zuhause einschließen muss. Ein Mensch, der in täglicher Angst vor Zwangsräumung lebt, so schrieb ich, ist nicht wirklich frei, bloß weil ein juristisches Dokument das Wort Freiheit verwendet.

Ich habe in diesem Monat viel an jenen zusammengerollten Bauplan gedacht, denn kaum eine Nachricht aus Deutschland kommt derzeit ohne ihn aus. Am 31. Januar 2026 waren nach der Zählung des Statistischen Bundesamtes 452.900 Menschen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht — fünf Prozent weniger als im Vorjahr, und dennoch eine halbe Million Menschen ohne eigene Wohnung, 41 Prozent von ihnen jünger als 25 Jahre. Wer bei Bekannten unterkommt oder auf der Straße schläft, ist in dieser Zahl gar nicht enthalten. Zugleich fehlen nach dem Sozialen Wohn-Monitor 2026 des Pestel-Instituts und des Deutschen Mieterbunds rund 1,4 Millionen Wohnungen, ein Rekordwert. Das Bemerkenswerte daran ist nicht die Größe der Zahl. Bemerkenswert ist, wie über sie geredet wird — das Deutungsmuster, zu dem der Bundestag, die Ministerien und fast jede Redaktion greifen, und das eine Wort, das fast niemand verwenden will.

Dies ist einer der Artikel des Monats in THRINV News.

Drei Artikel pro Monat können vollständig kostenlos gelesen werden. THRINV News-Mitglieder lesen jeden Artikel der monatlichen Ausgabe, lokalisiert für ihr eigenes Land, online und gedruckt.

Die ganze Ausgabe lesen
Maschinell aus dem englischen Original übersetzt — zuverlässig, aber nicht perfekt. Vergleichen Sie im Zweifel mit der englischen Version.
Tags:

Mehr von Jan Verellen

Alle anzeigen
Wer darf die Aufmerksamkeit eines Kindes ernten?

Wer darf die Aufmerksamkeit eines Kindes ernten?

/