Vor langer Zeit bekam in Frankreich ein freundlicher Mann namens Alfred Binet eine Aufgabe. Manche Kinder in der Schule hatten Schwierigkeiten, und niemand wusste genau, warum oder wie man ihnen helfen konnte.

Konnte Herr Binet etwas entwickeln, das diese Kinder finden würde, damit sie zusätzliche Hilfe bekommen konnten?

Also baute er es: eine Reihe kleiner Rätsel und Fragen — den allerersten „Intelligenztest“. Doch Binet machte sich Sorgen um seine eigene Erfindung, und immer wieder sagte er denselben Satz laut, damit ihn niemand vergaß: Das zeigt nur, wie es einem Kind heute geht.

Es ist kein Etikett. Ganz gewiss gilt es nicht für immer. Der Geist eines Kindes kann wachsen, wie eine Pflanze, die gegossen wird. Der Test sollte eine helfende Hand sein: Hier ist, wer etwas mehr Zeit, etwas mehr Fürsorge braucht. Er sollte kein Richter sein, der Kindern für ihr ganzes Leben den Stempel „klug“ oder „nicht klug“ aufdrückt.

Doch eine Zahl ist eine schlüpfrige Sache. Andere griffen seine freundliche Idee auf und benutzten sie am Ende doch als Stempel — drückten ihn Kindern auf, als ließe er sich niemals abwaschen.

Aber Binet hatte von Anfang an recht. Heute wissen wir, dass er recht hatte: Das Gehirn wächst tatsächlich, wenn man es gebraucht, so wie ein Muskel wächst, wenn man ihn trainiert. Der Junge, der im Oktober „hinterherhinkt“, kann im Frühling schon allen voraus sein.

Wenn dir also jemals jemand eine Zahl hinhält und sagt, das sei das Maß deiner Klugheit, dann denk an den Mann, der den allerersten Test geschaffen hat, und an das, was er nie aufhörte allen zu sagen: heute, nur heute — und du wächst noch immer. Ein Test kann zeigen, wie ein einzelner Morgen verlaufen ist. Niemals kann er zeigen, wie weit du gehen wirst.

Ein Staunen zum Ausprobieren: füge „Ich kann das nicht.“ ein einziges Wort hinzu. Das Wort ist noch.
(aus Kap. 21, „Die Wissenschaft vom Sortieren der Seelen“ — Binets wahre Absicht)